Verkehrsraum aus neuer Perspektiver erleben: Ein Lehr-/Lernkonzept zur Sensibilisierung für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum

Der öffentliche Raum ist für alle da – doch nicht alle erleben ihn gleich. Während für viele Menschen das Gehen eine selbstverständliche Mobilitätsform ist, stellt es für ältere Personen sowie für Menschen mit Geh- oder Sehbeeinträchtigungen oft eine Herausforderung dar. Trotz zahlreicher Studien zu Barrierefreiheit und Verkehrssicherheit fehlt es häufig an einem unmittelbaren Verständnis für die tatsächlichen Erfahrungen dieser Gruppen.

Stark, J; Wegener, S (2025): Verkehrsraum aus neuer Perspektive erleben: Ein Lehr-/Lernkonzept zur Sensibilisierung für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, 1. Österreichischer Fußverkehrsgipfel 2025, Congress Graz.

Das interaktive Konzept „Mit 80 durch die Straßen?“, das 2018 im Rahmen eines Projekts entwickelt wurde und seit 2019 in verschiedenen Kontexten verwendet wird (siehe auch Kinderuni), verfolgt einen experimentellen und erfahrungsbasierten Zugang, um Mobilitätsbarrieren nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern sie am eigenen Körper spürbar zu machen.

Durch den Einsatz von Gewichtsanzügen, Rollstühlen, Blindenstöcken und speziellen „Altersbrillen“ erleben die Teilnehmenden die Einschränkungen älterer Menschen und mobilitätseingeschränkter Personen. Sie absolvieren verschiedene Alltagssituationen wie das Überwinden von Bordsteinkanten, Türen oder Rampen und reflektieren ihre Erlebnisse. Als Ergänzung wird die von der BOKU entwickelte App „Was geht ab?“ in das Konzept integriert. Diese Anwendung ermöglicht es den Teilnehmenden, den Straßenraum systematisch aus der Perspektive von Fußgänger:innen zu bewerten und strukturiert zu analysieren, unter anderem, inwiefern Barrierefreiheit und Sicherheit gegeben sind. Die App bietet einen methodischen Rahmen für eine datenbasierte Auseinandersetzung mit dem gebauten Umfeld und fördert kritisches Denken hinsichtlich der Gestaltung des öffentlichen Raums.

Das Konzept trägt zur Schließung einer Forschungslücke bei: Während die gesundheitlichen Vorteile des Gehens zunehmend untersucht werden, fehlt es oft an einem Bewusstsein für die alltäglichen Hürden, mit denen viele Fußgänger:innen konfrontiert sind. Der Workshop schafft eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und praktischer Erfahrung, indem er nicht nur Wissen über Mobilität und Barrierefreiheit vermittelt, sondern auch Empathie fördert und zum kritischen Hinterfragen bestehender Infrastrukturen anregt. In Reflexionsgesprächen nach der Teilnahme berichten Teilnehmende von einer gesteigerten Sensibilität für die Herausforderungen älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen sowie von einem neuen Blick auf ihre eigene Verkehrsumgebung. Durch die Möglichkeit, die Übungen altersgerecht anzupassen, kann das Konzept flexibel in verschiedenen Bildungs- und Forschungskontexten eingesetzt werden.

Stark, J; Wegener, S (2025): Verkehrsraum aus neuer Perspektive erleben: Ein Lehr-/Lernkonzept zur Sensibilisierung für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, 1. Österreichischer Fußverkehrsgipfel 2025, Congress Graz.
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